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Normen · 9 Min Lesedauer

Notstrom für Feuerwehrhäuser nach DIN 14092

Was die Norm zur Stromversorgung fordert, was sie verschweigt — und welche kVA-Klasse zu welchem Stellplatzkonzept passt. Mit Berechnungsbeispiel, Praxis-Checkliste und Hinweisen zur Kopplung mit Brandmelde- und Toranlage.

AutorMarkus Brand · KSP Fachredaktion
Veröffentlicht04.2026
Letzte Prüfung05.2026

Die DIN 14092 normiert Feuerwehrhäuser bis ins Detail — Stellplatzgröße, Türbreite, Umkleideflächen. Was die Norm zur Stromversorgung sagt, ist allerdings überraschend wenig. Was sie zur Notstromversorgung sagt, ist gar nichts. Trotzdem bestimmt sie, welche kVA-Klasse Sie brauchen — über den Umweg der Funktionen, die im Ernstfall laufen müssen.

Wer ein Feuerwehrhaus plant oder im Bestand nachrüstet, steht regelmäßig vor demselben Missverständnis: Die DIN 14092 wird nach einer kVA-Vorgabe durchsucht — und keine gefunden. Das verleitet zur Annahme, eine Notstromanlage sei optional. Tatsächlich ergibt sich die Pflicht aus dem Zusammenspiel mit DIN VDE 0100-560 (Sicherheitsstromversorgung), DIN 14675 (Brandmeldeanlagen) und der Notwendigkeit, Toranlagen und BOS-Funk im Stromausfall weiterbetreiben zu können.

Was DIN 14092 fordert — und was sie verschweigt

Die DIN 14092 besteht aus mehreren Teilen — die für Notstrom relevanten sind:

  • DIN 14092-1:2022-08 · Allgemeine Anforderungen, Planungsgrundlagen, Stellplatzmaße
  • DIN 14092-2 · Werkstätten und Lagerräume
  • DIN 14092-7 · Hauptamtliche Feuerwachen

Was die Norm explizit fordert, ist die Sicherheitsbeleuchtung der Fluchtwege nach DIN VDE 0100-560 — Bereitstellungszeit max. 15 Sekunden, Mindestbetrieb eine Stunde. Diese Anforderung lässt sich grundsätzlich auch mit Einzelbatterieleuchten oder Zentralbatterieanlagen erfüllen, ohne separates Notstromaggregat.

Was die Norm implizit voraussetzt, ist eine deutlich umfassendere Versorgung: Funktionserhalt der Toranlagen, Anbindung an das BOS-Digitalfunknetz, Kopplung mit der Brandmeldeanlage, Sirenen- oder Alarmturmsteuerung, Beheizung im Winter (sonst friert die Schaumlöschanlage), und seit 2024 zunehmend auch Ladeinfrastruktur für E-Einsatzfahrzeuge. Diese Funktionen einzeln batteriegestützt zu sichern, ist deutlich aufwendiger und teurer als ein zentrales Aggregat.

Kernaussage

Die DIN 14092 schreibt kein Notstromaggregat vor — aber sie definiert Funktionen, die ohne Notstrom nicht erfüllbar sind. Wer sich nur auf die Norm beruft und keine Anlage einbaut, riskiert spätere Mängelrügen durch die Brandschau, das Bauamt oder den Versicherer.

Stellplatzkonzept und Lastberechnung

Die kVA-Klasse leitet sich nicht aus der DIN 14092 ab, sondern aus dem objektspezifischen Lastprofil. Aus über 80 KSP-Auslegungen für Feuerwehrhäuser zwischen 2020 und 2025 ergibt sich folgende Größenordnung als belastbarer Anhaltswert:

Objekttyp · StellplätzeVolllastEmpfehlungModell-Beispiel
Gerätehaus klein · 1 Stp.5–8 kVA8 kVAEY-8.5Y
Gerätehaus mittel · 2 Stp.10–15 kVA13 kVAEY-13Y
Stützpunktwehr · 3–4 Stp.15–25 kVA18–23 kVAEY-18Y / EY-23B
Hauptamtliche Wache · 5–6 Stp.30–45 kVA33–45 kVAEY-33Y / EY-45B
Großwache · 7+ Stp.50–80 kVA60 kVAEY-60F / EY-65B

Diese Tabelle ist eine Vorabschätzung — die tatsächliche Auslegung muss objektspezifisch nach Lastprofil erfolgen, insbesondere bei elektrischer Anwärmung der Schaumlöschanlage, Tor-Antrieben mit hohem Anlaufstrom oder zunehmend auch Schnellladestationen für E-LFs.

Berechnungsbeispiel · Stützpunktwehr mit 3 Stellplätzen

Für ein typisches Feuerwehrhaus einer Stützpunktwehr mit 3 Stellplätzen, 1 LF, 1 TLF, 1 MTW, ohne E-Fahrzeug, ergibt sich folgende Lastsumme — bewusst konservativ, mit Reserven für Einsatzspitzen:

PositionLast
3 × Tor-Antrieb 0,75 kW (Anlauf 3-fach, gleichzeitig)6,75 kW
Sicherheitsbeleuchtung Halle + Sozialräume2,4 kW
Brandmeldeanlage + Sirenenturm0,8 kW
Funkzentrale BOS + Ladegeräte1,2 kW
Heizung-Umwälzung + Heizungsregelung1,5 kW
Werkstattbeleuchtung + Druckluftkompressor2,8 kW
EDV + IT-Schrank + Server0,8 kW
Reserve 20 % für Einsatzspitzen3,3 kW
Summe Volllast≈ 19,6 kW · ≙ 24,5 kVA bei cos φ 0,8

Das Ergebnis liegt zwischen den Modellen EY-23B (23 kVA) und EY-25K (25 kVA). In der Praxis nehmen wir hier den EY-23B mit Baudouin-Motor — robust, lange Wartungsintervalle, breite Ersatzteilverfügbarkeit. Einen Tor-Anlaufstrom-Test bei Auslegung empfehlen wir grundsätzlich, weil ältere Tor-Antriebe mit Schützsteuerung gelegentlich kurzzeitige Spitzen von Faktor 5–7 produzieren.

Kopplung mit Brandmelde- und Toranlage

Die kritische Designentscheidung beim Notstrom für ein Feuerwehrhaus ist nicht die Größe — sondern die Aufschalt-Reihenfolge. Im Stromausfall muss innerhalb der 15-Sekunden-Schwelle eine konsistente Funktionsfolge sicher erreicht werden:

  1. Sicherheitsbeleuchtung Halle und Fluchtwege (DIN VDE 0100-560)
  2. Toranlagen aller Stellplätze (DIN 14092-1, Funktionserhalt)
  3. Brandmeldeanlage und Sirenensteuerung (DIN 14675)
  4. BOS-Funkzentrale und Ladestationen für Funkgeräte
  5. Heizung-Steuerung (saisonal · zur Frostfreiheit der Schaumlöschanlage)
  6. EDV / Werkstatt / Komfortverbraucher (lastabwurf-fähig)

Punkte 1–4 dürfen nicht ausfallen. Punkte 5–6 dürfen bei Last-Spitzen kurzfristig vom Lastabwurf erfasst werden — die ATS-Steuerung trennt Komfort-Verbraucher, sobald die Generatorlast 90 Prozent erreicht.

Aus der Praxis

Die Toranlage hat im Brandfall Vorfahrt vor der Sicherheitsbeleuchtung — sonst brauchen die Lampen über dem stehenden Fahrzeug niemand mehr.

— Stadtbrandinspektor, Würzburg 2024

Was bei der Toransteuerung zu beachten ist

Tor-Antriebe der Generation vor 2015 haben oft simple Schützsteuerungen mit hohen Einschaltströmen. Generatoren mit unzureichender Spitzenleistung können hier in einen Drehzahleinbruch geraten — der Zustand “Tor öffnet langsamer” ist unkritisch, der Zustand “Tor öffnet nicht” ist es nicht. Bei Bestandsanlagen prüfen wir den Anlaufstrom-Test grundsätzlich vor Auslegung.

Tor-Antriebe ab 2018 haben überwiegend frequenzgeregelte Antriebe mit weichem Anlauf — hier sind die Spitzenströme deutlich entschärft, die Auslegung wird einfacher.

Anbindung an die Brandmeldeanlage

Die DIN 14675 verlangt für Brandmeldeanlagen mit Aufschaltung auf die Leitstelle eine 72-Stunden-Notstromreserve, üblicherweise als USV oder Batterie-Backup im BMA-Schrank. Trotzdem ist die Kopplung mit dem Aggregat sinnvoll: Im Langzeitausfall verlängert das Aggregat die Reserve weit über 72 h hinaus, und die Linienüberwachung der BMA bleibt funktionsfähig.

Norm-Steckbrief

FeldAngabe
NormDIN 14092-1:2022-08 — Feuerwehrhäuser, Allgemeine Anforderungen
StandAugust 2022
Bauliche PflichtNeubau · wesentliche Sanierung
Notstrom-Aussageimplizit, über geforderte Funktionen
Verbundene NormenDIN VDE 0100-560 · DIN 14675 · DIN EN 13501

Die DIN 14092-1 ist der aktuelle Stand der Normenreihe und verbindlich für alle Neubauten und wesentlichen Sanierungen kommunaler Feuerwehrhäuser. Sie verweist auf DIN VDE 0100-560 für die Sicherheitsstromversorgung, auf DIN 14675 für Brandmeldeanlagen und auf DIN EN 13501 für den Funktionserhalt.

Praxis-Checkliste für den Bestand

Sieben Punkte, die wir bei jeder Bestandsbegehung in einem Feuerwehrhaus prüfen — geordnet nach Dringlichkeit:

  1. Toranlagen-Funktion bei Stromausfall — manuelle Notentriegelung vorhanden, geprüft, Kette/Kurbel zugänglich? Falls nicht: erste Priorität.
  2. Sicherheitsbeleuchtung — Einzelbatterie- oder Zentralbatterie-Anlage, letzte Prüfung dokumentiert?
  3. BMA-Notstrom — USV-Akkus älter als 5 Jahre? Tausch fällig.
  4. Heizung im Winter — Was passiert, wenn die Heizung 24 h ausfällt? Frostschäden im Schaumlöschmittel?
  5. BOS-Funkversorgung — Akku-Reserve dokumentiert? Ladegerät am gleichen Stromkreis wie die Beleuchtung?
  6. Tor-Anlaufstrom — Bestandsmessung mit Lastzange, vergleichend zur Aggregat-Spezifikation.
  7. DGUV-V3-Prüfung — letzter Prüftermin? Bei ortsfester Anlage alle 4 Jahre Pflicht.

Praxis-Tipp

Wer ein bestehendes Feuerwehrhaus nachrüstet, sollte die Maßnahme mit einer ohnehin anstehenden Sanierung der Toranlagen verbinden — die Förderfähigkeit (siehe Förderprogramme 2026) ist dann häufig höher, weil das Vorhaben als “Resilienz-Komplettmaßnahme” gewertet wird.

Nächste Schritte

Wer die Notstromversorgung für ein Feuerwehrhaus plant — Neubau, Sanierung oder Nachrüstung — kommt sinnvoll in dieser Reihenfolge zum Ziel:

  1. Bedarfsanalyse mit Standortbegehung und Lastprofil-Messung. Ergibt die exakte kVA-Klasse und das Aufschalt-Konzept.
  2. Förderprüfung auf Basis der Bedarfsanalyse — siehe Förderprogramme 2026. Erwartung: 40–60 % Förderquote für Feuerwehrhäuser.
  3. Vergabe auf Grundlage des in der Bedarfsanalyse erstellten Leistungsverzeichnisses — vergabefest, herstellerneutral.
  4. Lieferung und Inbetriebnahme mit DGUV-V3-Erstprüfung, Funktionsabnahme der Toranlagen unter Aggregatlast, Übergabe an die Brandschau.

Der gesamte Prozess von Bedarfsanalyse bis Inbetriebnahme dauert 4–6 Monate, davon 1–2 Monate Genehmigungs- und Förderprüfphase. Bei Sturmtief- oder Extremwetter-Lagen können wir mit mobilen Aggregaten (EY-60F-Anhänger) kurzfristige Überbrückungen stellen — auch das gehört zum Service.

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