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Normen · 7 Min Lesedauer

DIN VDE 0100-560: Sicherheitsstromversorgung verständlich

Die Norm hinter der 15-Sekunden-Regel: Was DIN VDE 0100-560 für Stromquellen, Umschaltzeiten und Leitungsanlagen fordert, wo Sicherheitsstrom endet und Ersatzstrom beginnt — und was das für die Auslegung eines Aggregats bedeutet.

AutorKSP Fachredaktion
Veröffentlicht07.2026

Kaum eine Norm wird in Notstrom-Projekten so oft zitiert und so oft missverstanden wie die DIN VDE 0100-560. Sie ist der Teil der Errichtungsnormen für Niederspannungsanlagen, der die Einrichtungen für Sicherheitszwecke regelt — also die Stromversorgung, die bei Netzausfall Menschenleben schützt: Sicherheitsbeleuchtung, Brandmeldetechnik, Aufzüge mit Evakuierungsfunktion, Löschanlagen.

Das Wichtigste vorweg: Die Norm sagt nicht, ob ein Gebäude eine Sicherheitsstromversorgung braucht — das bestimmen Baurecht und Sonderbauvorschriften (Versammlungsstätten, Pflegeeinrichtungen, Hochhäuser, je nach Land die EltBauVO). Die 0100-560 regelt, wie eine geforderte Sicherheitsstromversorgung ausgeführt sein muss: welche Stromquellen zulässig sind, in welcher Zeit sie übernehmen und wie die Leitungswege geschützt werden.

Sicherheitsstrom ist nicht Ersatzstrom

Die Norm trennt scharf, was im Sprachgebrauch verschwimmt: Sicherheitsstromversorgung dient dem Personenschutz und ist rechtlich gefordert — mit harten Vorgaben an Zeit, Quelle und Leitungsführung. Ersatzstromversorgung hält den Betrieb aufrecht (IT, Produktion, Heizung) und ist eine Entscheidung des Betreibers. Ein Aggregat kann beides speisen — dann aber mit klarer Vorrangschaltung: Die Sicherheitsverbraucher haben immer Vorfahrt, Betriebsverbraucher fliegen im Zweifel per Lastabwurf.

Die Umschaltzeit-Klassen

Die Norm klassifiziert Sicherheitsstromquellen nach der Zeit, in der sie verfügbar sein müssen:

KlasseVerfügbar inTypische Quelle
ohne Unterbrechung0 sUSV, Batterieanlage
sehr kurze Unterbrechung≤ 0,15 sBatterieanlage
kurze Unterbrechung≤ 0,5 sBatterie, Schnellstart-Systeme
mittlere Unterbrechung≤ 15 sStromerzeugungsaggregat mit Automatikstart
lange Unterbrechung> 15 sAggregat für nachrangige Zwecke

Für Diesel-Notstromaggregate ist die 15-Sekunden-Klasse der Maßstab: Vom Ausfall bis zur Übernahme dürfen höchstens 15 Sekunden vergehen — realistisch nur mit automatischer Netzumschaltung, nie von Hand. Was das technisch heißt, steht im Beitrag ATS oder MTS. Verbraucher mit strengeren Klassen (etwa 0,5 s) werden über Batterien oder USV gestützt, die das Aggregat dann ablöst.

Anforderungen an die Stromquelle

Als Sicherheitsstromquellen anerkannt sind insbesondere Stromerzeugungsaggregate, Batterieanlagen (Zentral-/Gruppenbatterie) und unabhängige Einspeisungen — wobei eine zweite Einspeisung aus demselben öffentlichen Netz in aller Regel nicht als unabhängig gilt. Für das Aggregat folgen daraus konkrete Pflichten: automatischer Start, gesicherte Kraftstoffvorhaltung für die geforderte Betriebsdauer, ein Aufstellort, der Betrieb und Zuluft im Ereignisfall sicherstellt, und regelmäßige Funktionsprüfungen. Die geforderte Mindestbetriebsdauer setzt die jeweilige Bau- oder Sonderbauvorschrift — häufig ist es mehr als die berühmte eine Stunde der Sicherheitsbeleuchtung.

Leitungsanlagen und Funktionserhalt

Sicherheitsstrom nützt nichts, wenn die Leitung im Brand ausfällt. Deshalb verlangt das Regelwerk getrennte, geschützte Leitungswege für Sicherheitsstromkreise — mit Funktionserhalt (E30/E90 gemäß den Leitungsanlagen-Richtlinien der Länder), eigenen Verteilern und eindeutiger Kennzeichnung. In der Praxis ist dieser Teil oft aufwendiger als das Aggregat selbst und gehört früh in die Fachplanung.

Kernaussage

Die DIN VDE 0100-560 macht aus einem Aggregat erst eine Sicherheitsstromquelle: Automatikstart in ≤ 15 s, gesicherter Kraftstoff, geschützte Leitungswege, Vorrang vor allem anderen. Wer nur „ein Notstromaggregat” beschafft, hat die Norm noch nicht erfüllt.

Was das für die Auslegung bedeutet

Die Sicherheitsverbraucher definieren das Minimum — dimensioniert wird aber meist für Sicherheits- und Ersatzstromaufgaben zusammen, mit sauberer Vorrangschaltung. Der Rechenweg dafür steht im Beitrag Notstromaggregat dimensionieren; ein anschauliches Anwendungsbeispiel liefert Notstrom für Feuerwehrhäuser nach DIN 14092. Für die normgerechte Auslegung des eigenen Objekts ist der kurze Weg eine unverbindliche Anfrage — wir arbeiten dabei mit Ihrer Elektrofachplanung zusammen.

Norm-Steckbrief

FeldAngabe
NormDIN VDE 0100-560 (VDE 0100-560) — Errichten von Niederspannungsanlagen, Teil 5-56: Einrichtungen für Sicherheitszwecke
RegeltStromquellen, Verfügbarkeitsklassen, Stromkreise/Leitungsanlagen, Kennzeichnung
Regelt nichtOb eine Sicherheitsstromversorgung gefordert ist (→ Baurecht/Sonderbauvorschriften)
Verbunden mitDIN VDE 0100-710 (medizinische Bereiche) · DIN VDE 0100-718 (öffentliche Einrichtungen) · Leitungsanlagen-Richtlinien der Länder

Häufige Fragen

Fordert die DIN VDE 0100-560 ein Notstromaggregat?

Nein — sie fordert gar nichts von sich aus. Ob eine Sicherheitsstromversorgung nötig ist, ergibt sich aus Baurecht und Nutzung. Sobald sie gefordert ist, definiert die Norm die zulässige Ausführung — und dort ist das automatisch startende Aggregat eine der anerkannten Quellen.

Darf dasselbe Aggregat auch normale Verbraucher versorgen?

Ja, das ist der Regelfall im Bestand: ein Aggregat für Sicherheits- und Ersatzstromzwecke. Bedingung ist die Vorrangschaltung — bei knapper Leistung werden Betriebsverbraucher automatisch abgeworfen, die Sicherheitsverbraucher bleiben versorgt.

Wer plant eine normgerechte Sicherheitsstromversorgung?

Die Elektrofachplanung bzw. eine Elektrofachkraft — inklusive Leitungsanlagen und Funktionserhalt. Wir liefern dazu die passende Aggregat-Auslegung, die Umschalttechnik und die Nachweise für die Inbetriebnahme.

Sie planen ein konkretes Notstrom-Projekt?

Eine Bedarfsanalyse klärt Lastprofil, Normbezug und Förderfähigkeit — herstellerneutral und vergabefest.

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