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Technik · 6 Min Lesedauer

PRP, COP, LTP, ESP: Leistungsangaben nach ISO 8528

Dasselbe Aggregat, vier verschiedene kVA-Zahlen im Datenblatt — und alle sind richtig. Was die Betriebsarten nach ISO 8528 bedeuten, warum die größte Zahl selten die richtige ist und welche Angabe in Auslegung und Ausschreibung gehört.

AutorKSP Fachredaktion
Veröffentlicht07.2026

Wer Datenblätter von Stromerzeugern vergleicht, stolpert früh über ein Rätsel: Dasselbe Aggregat wird mal mit 110 kVA beworben, mal mit 100 kVA gelistet. Beides stimmt — es sind zwei verschiedene Betriebsarten nach ISO 8528. Die Norm definiert, unter welchen Bedingungen ein Aggregat welche Leistung dauerhaft abgeben darf: wie lange, mit welchem Lastprofil, mit welcher Reserve.

Kurz gefasst: COP ist die Dauerleistung bei konstanter Volllast, PRP die Hauptstromleistung bei variabler Last ohne Stundenbegrenzung, LTP eine zeitlich begrenzte Spitzenleistung und ESP die Notstromleistung, die nur bei Netzausfall abgerufen wird. Ein und derselbe Motor trägt je nach Betriebsart eine andere Zahl — ESP ist dabei stets die größte.

Die vier Betriebsarten im Überblick

BetriebsartEinsatzLastprofilBetriebsstundenÜberlastreserve
COP — Continuous Operating PowerDauerstromversorgung, Inselnetzkonstant, 100 %unbegrenztkeine
PRP — Prime Rated PowerHauptstromquelle bei variabler Lastvariabel, im 24-h-Mittel ≤ 70 %unbegrenzt10 % für 1 h je 12 h
LTP — Limited Time running Powergeplante, zeitlich begrenzte Einsätzekonstantbis 500 h/Jahrkeine
ESP — Emergency Standby PowerNotstrom bei Netzausfallvariabel, im Mittel ≤ 70 %herstellerseitig begrenzt (Datenblatt; verbreitet sind Werte um 200 h/Jahr)keine

Die Logik dahinter ist thermisch: Je seltener und je „welliger” ein Aggregat läuft, desto höher darf seine Nennleistung angesetzt werden. Deshalb liegt die ESP-Angabe eines Aggregats typischerweise rund zehn Prozent über der PRP-Angabe desselben Geräts.

Der typische Denkfehler beim Notstromkauf

Verglichen wird gern die größte Zahl — also ESP gegen ESP, oder schlimmer: die ESP-Angabe des einen Anbieters gegen die PRP-Angabe des anderen. Für klassischen Notstrom mit seltenen, kurzen Ausfällen ist die ESP-Auslegung völlig korrekt. Kritisch wird es bei Szenarien, für die viele Kommunen und KRITIS-Betreiber heute planen: Langzeitausfälle über Tage, Dauerbetrieb im Inselnetz, 72-Stunden-Vorsorge.

Kernaussage

Wer für den mehrtägigen Ausfall plant, legt nach PRP aus — nicht nach ESP. Steht im Datenblatt „110 kVA ESP / 100 kVA PRP”, dann ist für das Langzeit-Szenario die 100 die maßgebliche Zahl. Ein nach ESP „passend” gekauftes Aggregat läuft im Dauereinsatz außerhalb seiner Auslegung — zulasten von Lebensdauer, Wartungsintervallen und Gewährleistung.

Hinzu kommt die 70-Prozent-Regel: PRP und ESP setzen ein variables Lastprofil voraus, dessen Mittelwert unter 70 Prozent der Nennleistung bleibt. Eine über Stunden konstante Volllast ist eine COP-Anforderung — dafür sind die meisten Standard-Notstromaggregate nicht klassifiziert.

Was das für die Auslegung bedeutet

Aus den Betriebsarten folgt ein einfaches Vorgehen: Erst das Einsatzszenario festlegen (kurze Überbrückung oder Langzeit-/Dauerbetrieb?), dann das Lastprofil ermitteln — inklusive Anlaufströmen und Gleichzeitigkeit —, dann erst die kVA-Klasse in der passenden Betriebsart wählen. Wie so eine Rechnung konkret aussieht, zeigt das Beispiel im Beitrag Notstrom für Feuerwehrhäuser; die saubere Grundlage liefert eine Bedarfsanalyse mit Messung vor Ort.

Betriebsart in der Ausschreibung festschreiben

Für öffentliche Auftraggeber ist die Betriebsart mehr als ein Technik-Detail: Ohne sie vergleichen Bieter Äpfel mit Birnen — der eine bietet 100 kVA PRP an, der andere 100 kVA ESP, und die Angebote sind nicht gleichwertig. Ins Leistungsverzeichnis gehört deshalb immer die geforderte Leistung mit Betriebsart („mindestens X kVA PRP nach ISO 8528”). Wie ein produktneutrales Leistungsverzeichnis insgesamt aufgebaut wird, zeigt der Ratgeber Notstromaggregat ausschreiben.

Norm-Steckbrief

FeldAngabe
NormISO 8528-1 — Stromerzeugungsaggregate mit Hubkolben-Verbrennungsmotor, Teil 1: Anwendung, Bemessungen und Ausführungen
Standaktuelle Fassung 2018 (in Deutschland als DIN-Fassung übernommen)
RegeltBetriebsarten COP · PRP · LTP · ESP, Bemessungsbedingungen, Leistungsangaben
PraxisrelevanzVergleichbarkeit von Datenblättern, Auslegung, Ausschreibung

Häufige Fragen

Warum steht die Leistung mal in kVA, mal in kW?

kVA ist die Scheinleistung, kW die Wirkleistung — verbunden über den Leistungsfaktor cos φ, bei Aggregaten üblicherweise 0,8. Aus 100 kVA werden so 80 kW nutzbare Wirkleistung. Beim Vergleich immer auf dieselbe Einheit und dieselbe Betriebsart achten.

Welche Betriebsart brauche ich für KRITIS- und 72-Stunden-Szenarien?

Wer mehrtägige Ausfälle als Auslegungsfall ernst nimmt, orientiert sich an PRP — das Aggregat darf damit ohne Stundenbegrenzung bei variabler Last laufen. ESP bleibt die richtige Wahl, wenn realistisch nur kurze, seltene Ausfälle zu überbrücken sind.

Darf ein ESP-Aggregat auch länger laufen?

Technisch hält es einen längeren Einsatz im Ernstfall meist durch — es läuft dann aber außerhalb seiner Auslegung. Maßgeblich sind die Herstellerangaben im Datenblatt; wer den Langzeitfall regelmäßig erwartet, wählt von vornherein die passende Betriebsart.

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