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Technik · 8 Min Lesedauer

Notstromaggregat-Verbrauch: Faustformeln, Wirkungsgrad, Teillast

Wie viel Diesel verbraucht ein Notstromaggregat pro Stunde — und warum ist die Antwort bei halber Last nicht die halbe Zahl? Die Faustformeln für Verbrauch und Wirkungsgrad, der Teillast-Effekt und was das für Tankgröße und Probelauf bedeutet.

AutorKSP Fachredaktion
Veröffentlicht07.2026
Letzte Prüfung07.2026

„Was verbraucht so ein Aggregat eigentlich pro Stunde?” ist eine der häufigsten Fragen vor der Anschaffung — und eine, auf die es keine einzelne Zahl gibt, wohl aber verlässliche Faustformeln. Denn der Verbrauch hängt nicht nur von der Größe der Anlage ab, sondern vor allem davon, wie viel Last sie gerade trägt.

Die kurze Antwort: Als Faustregel verbraucht ein modernes Diesel-Notstromaggregat im günstigen Lastbereich rund 0,25 bis 0,3 Liter Diesel je erzeugter Kilowattstunde. Ein 100-kVA-Aggregat bei 75 % Last liegt damit grob bei 15 bis 18 Litern pro Stunde. Bei niedriger Teillast steigt der Verbrauch je Kilowattstunde deutlich — und genau dort liegen die meisten Fehleinschätzungen.

Die Faustformel: Verbrauch je Kilowattstunde

Dieselmotoren in Stromaggregaten erreichen am optimalen Betriebspunkt einen elektrischen Wirkungsgrad von etwa 35 bis 40 % — von der Energie im Kraftstoff kommt also gut ein Drittel als Strom heraus, der Rest wird Wärme. Daraus folgt die Praxisformel:

Verbrauch ≈ 0,25–0,3 l Diesel je kWh elektrischer Arbeit (im Lastbereich ~50–90 %)

Zum Rechnen braucht es noch die Brücke von kVA zu kW: Die Typenbezeichnung nennt die Scheinleistung in kVA; die elektrische Wirkleistung liegt beim üblichen Leistungsfaktor cos φ = 0,8 entsprechend niedriger (100 kVA ≈ 80 kW). Wie sich daraus die richtige Anlagengröße ergibt, behandelt der Beitrag zur Dimensionierung.

Notstromaggregat-Verbrauch pro Stunde: Richtwerte nach Leistungsklasse

Für die Überschlagsrechnung — bewusst als Spannen, maßgeblich bleibt das Datenblatt des konkreten Modells:

Aggregat (Scheinleistung)~ WirkleistungVerbrauch bei ca. 75 % Last
20 kVA16 kWca. 3–4 l/h
60 kVA48 kWca. 9–12 l/h
100 kVA80 kWca. 15–18 l/h
200 kVA160 kWca. 30–36 l/h
500 kVA400 kWca. 75–90 l/h

Zwei Lesarten dieser Tabelle sind wichtig: Erstens skaliert der Verbrauch mit der tatsächlich abgerufenen Last, nicht mit der Anlagengröße — ein 200-kVA-Aggregat, das nur 40 kW trägt, verbraucht keine 30 l/h. Zweitens ist genau das der Grund, warum eine überdimensionierte Anlage doppelt teuer ist: in der Anschaffung und bei jeder Betriebsstunde im ungünstigen Lastbereich.

Der Teillast-Effekt: warum halbe Last nicht halber Verbrauch ist

Unterhalb von etwa 30 % Last wird der Dieselmotor ineffizient: Der spezifische Verbrauch je Kilowattstunde steigt spürbar, weil Reibung, Hilfsantriebe und Grundverbrauch unabhängig von der Last anfallen. Dazu kommt ein technisches Problem, das teurer ist als der Mehrverbrauch: Dauerhafter Schwachlastbetrieb führt zu unvollständiger Verbrennung und Ablagerungen (Wet Stacking) — der gleiche Mechanismus, aus dem die DIN 6280-13 den Probelauf unter Last fordert, statt den Motor im Leerlauf „warmlaufen” zu lassen.

Für die Praxis heißt das: Die wirtschaftlichste Anlage ist die, deren Dauerlast im Ernstfall zwischen grob 50 und 80 % der Nennleistung liegt. Das erreicht man nicht durch Schätzen, sondern über das Lastprofil.

Vom Verbrauch zur Tankgröße

Der Stundenverbrauch ist die halbe Wahrheit — entscheidend ist die Autonomie: Verbrauch × geforderte Überbrückungszeit = Tankvolumen. Ein 100-kVA-Aggregat bei 75 % Last braucht für 24 Stunden rund 400 Liter, für den 72-Stunden-Maßstab der KRITIS-Welt entsprechend mehr — inklusive der Fragen Lagerrecht (WHG/AwSV), Kraftstoffalterung und Nachschub. Wer mit HVO 100 statt fossilem Diesel plant: Der Verbrauch liegt in ähnlicher Größenordnung, die CO₂-Bilanz deutlich besser — die Freigabe des Motorherstellers vorausgesetzt.

Aus der Praxis

Verbrauchsangaben aus Datenblättern gelten für den Prüfstand. Im realen Notbetrieb kommen Kaltstarts, schwankende Last und Nebenverbraucher dazu — wer seine Autonomie plant, rechnet deshalb mit dem oberen Rand der Spanne und verifiziert die Zahl beim jährlichen Lasttest: Füllstand vorher/nachher notieren, durch die Stunden teilen. Genauer geht es nicht.

Checkliste: Verbrauch im Projekt richtig ansetzen

  1. Lastprofil ermitteln — nicht Typenschilder addieren.
  2. Anlage so wählen, dass die Ernstfall-Dauerlast bei ~50–80 % liegt.
  3. Verbrauch mit 0,25–0,3 l/kWh überschlagen, Datenblattwert gegenprüfen.
  4. Autonomie rechnen: Verbrauch × Stunden + Reserve → Tank- und Nachschubkonzept.
  5. Schwachlastbetrieb vermeiden — Probelauf immer unter Last fahren.
  6. Realverbrauch beim Lasttest messen und die Planung damit kalibrieren.

Häufige Fragen

Wie viel verbraucht ein Notstromaggregat im Leerlauf?

Auch ohne nennenswerte Last läuft ein Grundverbrauch von grob 10–20 % des Volllastverbrauchs weiter — bezogen auf die erzeugte Energie ist der Leerlauf damit der teuerste Betriebszustand. Er schadet zudem dem Motor (Wet Stacking); längerer Betrieb ohne Last ist deshalb auch technisch zu vermeiden.

Verbraucht ein Gas-Aggregat weniger als ein Diesel?

Die Wirkungsgrade liegen in ähnlicher Größenordnung; der Unterschied liegt weniger im Verbrauch als in Bevorratung und Verfügbarkeit: Diesel lässt sich vor Ort in geprüften Tankanlagen für Tage bevorraten, Erdgas hängt am Netz — im Blackout-Szenario ein relevanter Unterschied zugunsten des Diesels.

Woher bekomme ich belastbare Zahlen für mein konkretes Projekt?

Aus der Kombination von Lastprofil und Modell-Datenblatt. Genau das leistet die Bedarfsanalyse: Lasten messen, Leistungsklasse festlegen, Verbrauch und Tankgröße daraus ableiten. Für eine erste Einschätzung genügt eine Anfrage mit den größten Verbrauchern und der gewünschten Überbrückungszeit.

Sie planen ein konkretes Notstrom-Projekt?

Eine Bedarfsanalyse klärt Lastprofil, Normbezug und Förderfähigkeit — herstellerneutral und vergabefest.

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