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Verwaltung · 8 Min Lesedauer

Notstrom fürs Rathaus: Verwaltung im Blackout handlungsfähig

Im großflächigen Stromausfall wird das Rathaus zur Kommandozentrale — wenn es selbst noch Strom hat. Welche Funktionen wirklich laufen müssen, warum USV und Aggregat zusammengehören und wie Kommunen vom Einspeisepunkt bis zur Vergabe vorgehen.

AutorKSP Fachredaktion
Veröffentlicht07.2026
Letzte Prüfung07.2026

Im Stromausfall schauen alle aufs Rathaus: Hier tagt der Krisenstab, hier laufen Meldewege und Lagebild zusammen, hier erwarten Bürgerinnen und Bürger eine funktionierende Anlaufstelle. Die unbequeme Wahrheit vieler Kommunen: Genau dieses Gebäude ist oft schlechter abgesichert als der Bauhof. Fällt das Netz, ist die Verwaltung nach der USV-Restlaufzeit der Server so dunkel wie der Rest der Stadt — und die Kommune verliert ihre Führungsfähigkeit in dem Moment, in dem sie am dringendsten gebraucht wird.

Der Weg zur belastbaren Lösung ist unspektakulär und bewährt: festlegen, was wirklich laufen muss, das Lastprofil messen, das Einspeisekonzept wählen (fest installierte Anlage oder Einspeisepunkt für ein mobiles Aggregat) — und die Beschaffung sauber durchs Vergabeverfahren bringen. Rückenwind gibt es aktuell reichlich: Das KRITIS-Dachgesetz hat Notfallvorsorge zur Leitungsaufgabe gemacht, und die Erwartung an kommunale Resilienz ist politisch so hoch wie nie. Wie sich das Rathaus in die Gesamtvorsorge einfügt — von der Feuerwehr bis zum Wasserwerk — zeigt unsere Übersicht zur Notstromversorgung für Kommunen.

Was im Rathaus wirklich laufen muss

Nicht das Gebäude wird versorgt, sondern die Führungsfähigkeit. Bewährt hat sich eine Kritikalitätsliste in drei Stufen:

PrioritätFunktionAnmerkung
MussKrisenstabsraum: Licht, Kommunikation, LagedarstellungHerzstück — inkl. Ladeinfrastruktur für Funk und Mobilgeräte
MussIT-Serverraum mit Fachverfahrenimmer als USV + Aggregat im Verbund (siehe unten)
MussTelefonanlage / Erreichbarkeitinkl. Notfallnummern-Weiterleitung
WichtigHeizungssteuerung (Winter), Sicherheitsbeleuchtung, Zutrittssystemsaisonal bzw. gebäudeabhängig
WichtigBürger-Anlaufpunkt: Foyer mit Licht, Info, Lademöglichkeitoft zugleich Baustein des Notfalltreffpunkt-Konzepts
KomfortBüroetagen, Aufzüge, KantineLastabwurf — dürfen warten

Diese Liste ist zugleich die Aufschalt-Reihenfolge im Ernstfall und drückt die benötigte Leistungsklasse erheblich: Versorgt wird die Führungsfähigkeit, nicht der Bürobetrieb.

Aus der Praxis

Der Serverraum ist der Taktgeber: Die USV überbrückt die Sekunden bis zur Übernahme durch das Aggregat, das Aggregat trägt die Langstrecke. Eines ohne das andere ist im Blackout wertlos — die USV-Autonomie endet nach Minuten, und ein Aggregat ohne USV lässt die Server beim Umschalten hart abstürzen.

Stationäre Anlage oder mobiler Einspeisepunkt?

Für Bestandsrathäuser ist der wirtschaftlichste Einstieg oft nicht die fest installierte Anlage, sondern ein fest installierter Einspeisepunkt (CEE-Anschluss mit Umschalteinrichtung), an den im Ereignisfall ein mobiles Aggregat angeschlossen wird. Vorteile: geringerer Eingriff ins Gebäude, das Aggregat kann mehrere Liegenschaften im Wechsel bedienen, und die Lösung wächst mit. Die Grenzen: Es braucht Personal und ein verfügbares Gerät — für den unbemannten Sofortstart und die IT-Absicherung ist die stationäre Anlage mit automatischer Netzumschaltung die robustere Wahl. Viele Kommunen kombinieren: stationär fürs Rathaus als Führungsstandort, Einspeisepunkte für Nebenliegenschaften.

Bei der Aufstellung früh mitdenken: Schallschutz zur Nachbarschaft, Abgasführung, Zufahrt für Betankung — und die Tankgröße nach dem 72-Stunden-Maßstab, wie im Beitrag zur Kraftstoffvorhaltung beschrieben.

Der Weg zur Anlage in vier Schritten

  1. Kritikalitätsliste beschließen — mit Hauptamt, IT und Bauamt; das Ergebnis trägt später Vergabe und Förderantrag.
  2. Lastprofil messen — die Bedarfsanalyse erfasst reale Lasten und Anlaufströme; den Rechenweg erklärt der Beitrag Notstromaggregat dimensionieren.
  3. Förderung prüfen — vor Maßnahmenbeginn; Programme und Stolpersteine im Überblick: Förderprogramme 2026.
  4. Vergabefest ausschreiben — produktneutral, mit Betriebsart, Umschaltung und Schallwerten im Leistungsverzeichnis; die Anleitung dazu liefert der Ratgeber Notstromaggregat ausschreiben, den Gesamtprozess der Beschaffungs-Leitfaden.

Checkliste für den Start

  1. Kritikalitätsliste vorhanden und beschlossen?
  2. USV-Autonomie der IT bekannt — und zum Aggregat-Start passend?
  3. Einspeisepunkt oder Umschalteinrichtung vorhanden? Von einer Elektrofachkraft errichtet?
  4. Zuständigkeit im Ernstfall benannt — auch nachts und am Wochenende?
  5. Probelauf unter Last terminiert und dokumentiert?
  6. Kraftstoff für die Ziel-Autonomie vorgehalten und gepflegt?

Häufige Fragen

Reicht ein mobiles Aggregat mit Einspeisepunkt?

Für viele Rathäuser ja — wenn Personal, Gerät und geübter Ablauf gesichert sind. Sobald IT-Verfahren unterbrechungsarm weiterlaufen müssen oder niemand kurzfristig vor Ort ist, spricht das für die stationäre Anlage mit Automatikstart. Die Kombination beider Ansätze über mehrere Liegenschaften ist der häufigste kommunale Weg.

Welche Größenordnung braucht ein Rathaus?

Es gibt keine Pauschale — die Spanne ist groß und hängt an IT, Heizungstechnik und der Frage, wie viel Gebäude mitversorgt wird. Treiber sind fast immer Serverraum, Heizungs-/Lüftungstechnik und Anlaufströme; belastbar wird die Zahl erst durch Messung im Rahmen der Bedarfsanalyse.

Ist das nicht Aufgabe von Feuerwehr oder Katastrophenschutz?

Nein — deren Aggregate sind für eigene Einsatzaufgaben gebunden. Die Handlungsfähigkeit der Verwaltung ist kommunale Eigenvorsorge; sie ist zugleich Voraussetzung dafür, Feuerwehr und Hilfsorganisationen im Ereignis koordinieren zu können.

Sie planen ein konkretes Notstrom-Projekt?

Eine Bedarfsanalyse klärt Lastprofil, Leistungsklasse und Förderfähigkeit — produktneutral und vergabefest.

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